Abstracts

Prof. Dr. Karen van den Berg

Damit wir uns besser fühlen? Sozial engagierte Kunst und die Ästhetik des Provisorischen

Als Thomas Hirschhorn für die Documenta 11 sein Bataille-Monument schuf, geschah dies mitten in einem sozialen Brennpunktviertel in Kassel. Aus Pappkartons und Paketklebeband konstruierte er in Zusammenarbeit mit den Anwohnern improvisierte Hütten, die zwischen den tristen Sozialwohnungsbauten wie eine widerständige Favela gestellt wurden.

Der Chicagoer Künstler Theaster Gates verwandelt seit einigen Jahren im großen Stile leerstehende Gebäude in Kulturzentren. Er gestaltet die Häuser dabei vor allem mit recycelte Materialen mit abgeblätterten Farbschichten und verhilft so Dingen, die sonst auf dem Müll gelandet wären, zu einem zweiten Leben unter dem Schutzschirm der Kunstwelt.

Ausgehend von Beispielen wie diesen wird der Vortrag danach fragen, warum gerade viele sozial engagierte politische Künstler gealterte, fehlerhafte, billige und improvisierte Wegwerfmaterialien nutzen. Welche politische Aussage wird mit dieser Ästhetik getroffen? Geht es hier um eine Art geborgte Authentizität, eine Anbiederung an eine Ästhetik der Armut oder etwas ganz Anderes?