Tagung ImperfeKT

(Das Vergängliche und das Unvollkommene)

Intermedialität und Performativität in den Künstlerischen Therapien

Freitag 16.06.2017 bis Sonntag 18.6.2017
am Campus Arts and Change der MSH Medical School Hamburg
in Zusammenarbeit mit dem DFKGT – Deutscher Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie e.V.

Die Tagung„ImperfeKT“wird von zwei benachbarten Hochschulen aus dem Norden ausgerichtet, der MSH Medical School Hamburg und der Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg. An diesen Hochschulen sind kunsttherapeutische Studiengänge angesiedelt, die für zwei aktuelle Positionen im kunsttherapeutischen Diskurs stehen: Intermedialität und Performativität. Der Tagungstitel „ImperfeKT“ lenkt den Blick auf das im doppelten Sinne Imperfekte, das Vergängliche ebenso wie das Unvollendete. Damit wird das Ereignis- und Prozesshafte künstlerischen Tuns apostrophiert, in dem individuelle und gesellschaftliche Entwicklungs- und Veränderungsprozesse ihren Ausgang nehmen können.

Die Tagung knüpft an jüngeren Strömungen in der Ästhetik, den Medien-, Bild- und Kunstwissenschaften sowie der Kultursoziologie an, die Kunst als menschliche Praxis und Existenzaussage verstehen und sie als Mittel der Welterschließung begreifen. Die damit verbundenen theoretischen Entwürfe haben den Künstlerischen Therapien die Möglichkeit eröffnet, an Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst anzuknüpfen, die Intermedialität und Performativität als zentrale künstlerische Strategien nutzen.

Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler, Praktiker, Studierende und Interessierte und soll eine Plattform für einen transdisziplinären Diskurs zwischen Kunst, Medien-, Kunst- und Kulturwissenschaften, Philosophie und Soziologie bieten. Sie ist als eine Mischung aus Lecture Performances, Vorträgen, Open Space-Formaten und Workshops geplant.

Das Format

Kern der Tagung sind 6 Vorträge, die drei Themenschwerpunkten zugeordnet sind. Im Anschluss an die Vorträge gibt es jeweils Laborartorien, in denen die Tagungsteilnehmer in ausgewiesenen Gruppen die Inhalte der Vorträge aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. Fragestellungen in Bezug auf theoretische Konzepte, Modelle sowie die Praxis der Künstlerischen Therapien diskutieren können. Geplant sind 5-10 Laboratorien, die jeweils  aus der Perspektive der Praxis, der Studierendenschaft, der akademischen Lehre und Forschung die Vorträge in den Blick nehmen. Die Ergebnisse aus den Laboratorien werden dann unter Beteiligung der Referentinnen im großen Plenum in sog. Resonanzräumen zusammengetragen.

Etwa in der Mitte der Tagung unterbricht das Theater der Versammlung diese Struktur durch eine Performance Lecture.

Begleitend zur Tagung werden Dokumentationen performativer und intermedialer Praxisprojekte präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Der Tagung voraus geht die 3. Forschungstagung der Künstlerischen Therapien (FVKT) am Freitag, 16.6.2017.

In die Tagung ist am Samstag, 17.6., von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr die 25. Mitgliederversammlung des DFKGT eingebettet.

Themenschwerpunkte

1- Repräsentation und Inszenierung: Werk und Prozess in Kunst und Therapie

Mit der Performativen Wende ist gegenüber dem klassischen Begriff der Repräsentation der Begriff der Inszenierung in den Vordergrund getreten und damit das Ereignishafte der künstlerischen Praxis. Aus dieser Sicht bieten sich Möglichkeiten, Künstlerische Therapien als aktuellen Ort für Veränderung und Entwicklung aufzufassen.

Der Schwerpunktvortrag von Kristin Kalu setzt sich mit den Begriffen Repräsentation und Inszenierung und der damit angedeuteten Dichotomie auseinander und wendet sie auf aktuelle Konzepte der Theatertherapie an.

Schwerpunktvortrag
Dr. Joy Kristin Kalu
Inszenierung trifft Krise: Das Subjekt der Enthüllung

2- Transformieren und Übersetzen: Intermedialität und Intermodalität als Quelle für Veränderung

Wahrnehmung ist nicht nur etwas, was uns geschieht, sondern etwas, das wir tun. Damit verbunden ist das Vermögen, intermodal zu agieren. In der künstlerisch angewandten Praxis kommen damit andere Referenzsysteme als die sprachliche Reflexion in den Blick.

Ausgehend davon setzten sich Hans Dieter Huber, Andrea Sabisch und Lucia Rainer in ihren Vorträgen mit individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen aus der Perspektive der Cognitive Sciences, der Ästhetischen Bildung und der Kunstwissenschaft auseinander.

Vorträge
Prof. Dr. Hans Dieter Huber
Intermedialität und Performativität im sensomotorischen Handeln
Prof. Dr. Andrea Sabisch
Visuelles Antworten
Prof. Dr. Lucia Rainer
Entschuldigung, Ihr Bild hängt schief: Wie künstlerische Übersetzungs- und Rahmungspraktiken Veränderungsprozesse ermöglichen.

3- Selbstwirksamkeit und Beziehung: Künstlerische Therapien als Resonanzgeschehen

Die künstlerische Praxis ist eine Möglichkeit sich als selbstwirksam und in einer resonanten Beziehung zur Welt zu erleben. Welche theoretischen Modelle aus den Grund- und Bezugswissenschaften fundieren einen solchen Blick auf die Künstlerischen Therapien?

Die Vorträge dieses Themenschwerpunktes thematisieren aus unterschiedlichen Perspektiven die Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft und Leben und untersuchen, wie künstlerische Übersetzungs- und Rahmungspraktiken individuelle und/ oder sozial sowie gesellschaftliche Veränderungsprozesse ermöglichen können.

Vorträge
Prof. Jens Wendland
Über das Zueinander der Dinge – Dingkonstellationen als Ausgangsfiguren künstlerischer Praxis
Prof. Dr. Karen van den Berg 
Damit wir uns besser fühlen? – Sozial engagierte Kunst und die Ästhetik des Provisorischen

Performance Lecture

Das Theater der Versammlung unterbricht die Tagung für einen Versuch in 3 Akten und operiert an der Schnittstelle zwischen diskursiven und performativen Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns. Es bewegt sich damit an der Schwelle, an der in den Künstlerischen Therapien Veränderung und Entwicklung sichtbar werden kann. Dieser Programmpunkt spielt mit Formaten, vergleichend experimentierend mit Wegen der Wahrnehmung und Klippen der Verständigung.

1. Akt: Imperfekt: Eine Vor-Lesung mit translinearer Note

2. Akt: Standard Abweichungen: Philosophie und Kunst im Gespräch

3. Akt: Teilnehmende Beobachtung und beobachtete Teilnehmer – Eine Befragung in ungewohntem Setting

Theater der Versammlung
Jörg Holkenbrink/ Anna Seitz
Auf dem Spielfeld der Formate – Eine Versuchsreihe über das Abenteuer der Verständigung

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